100 Tipps für Weinkenner - und solche, die es werden möchten

100 Tipps für Weinkenner

Susanne Helbach-Grosser, Rudolf Knoll
Januar 2013
Little Helper Verlag
ISBN: 978-3-939445-30-2
8,90E

 

Reinlesen zum Lust drauf kriegen:
 
Aromen
… Warum riecht ein knackiger Riesling nach grünen Äpfeln und Pfirsich oder ein Cabernet Sauvignon nach Cassis und Paprika? Ganz einfach: dieselben chemischen Verbindungen (rund 800 wurden bislang nachgewiesen), die in Früchten enthalten
sind, kommen auch im Wein vor. Über die Traube gelangen Aromastoffe in den Wein. Je nach Rebsorte und Herkunft hat sie jeweils andere Aromakomponenten transportiert. Viele der würzigen Aromen, wie Zimt, Vanille, Karamell, aber auch Rost- und Raucharomen, gehen auf den Ausbau des Weines im Barrique zurück...
Bei manchen Weinbeschreibungen darf geschmunzelt werden. Sie sind oft sehr phantasievoll und erfindungsreich. Auch wird auf diesem Feld gern abgeschrieben und neu kombiniert, aber so, dass es nicht zusammenpasst. Typisch ist der Fall eines Winzers, der beim Riesling darauf hinweist, dass dieser nach Banane duftet – was für einen Kenner ein Hinweis ist, dass der Wein sortenuntypisch ist und besser nicht gekauft wird. Denn Riesling hat klare Fruchtaromen (Zitrus, Pfirsich, Grapefruit) zu haben.
 
Autochthon
Die Bezeichnung für Rebsorten, die nur in einem bestimmten Anbaugebiet Zuhause sind und anderswo nur in Ausnahmefallen. Der Riesling ist, obwohl typisch deutsch, keine autochthone Sorte, weil er auch anderswo wächst. Gleiches gilt für den Osterreicher Gruner Veltliner. Der Rote Veltliner ist dagegen schon mehr autochthon in Austria. Die Markgräfler Spezialität Gutedel ist es nur bedingt, weil es ihn auch in der Schweiz (meist unter dem Synonym Chasselas) und in Sachsen sowie Saale-Unstrut gibt. Den Elbling, der in Deutschland nur mehr an der Obermosel angebaut wird, kann man dagegen schon als Beispiel für autochthon nennen …
 
Ausland – Tipps zum Umgang mit Wein/Alkohol
Frankreich: Als Frau sollten Sie sich im Restaurant nie selbst Wein nachschenken. Vorsicht bei einer privaten Einladung: Wein als Mitbringsel kann missverstanden werden. Ihr Gastgeber ist sehr wohl in der Lage, einen adäquaten Wein auszusuchen! Betonen Sie die „Einmaligkeit“ Ihres Präsents…
 
Darf man die leere Weinflasche am Tisch umgedreht in den Kühler stecken, damit der Service sieht, dass sie leer ist?
Nein. Man dreht ja auch seinen Teller nicht um wenn man fertig gegessen hat. Die Servicekraft, die Ihren Tisch betreut, wird den Pegel der Flasche kennen und im Interesse des Umsatzes eine weitere anbieten.
 
Brett(anomyces)
Nein, dieses Wort steht nicht für einen sturen Winzer, der ein Brett vor dem Kopf hat. Es ist ein Fachausdruck für den „Pferdestallduft“ oder „Pferdeschweißgeruch“
mancher Weine, meist Rotweine aus südlichen Ländern und auch aus Bordeaux. „Brett“ entsteht durch eine spezielle Hefegattung in Holzfässern, die begünstigt wird durch Verzicht auf eine gründliche Reinigung gebrauchter Fässer, zu wenig Schwefel und eine schwache Filtration. Die Fachwelt streitet sich, ob dieser Duft ein Fehler ist oder nicht. Auf jeden Fall kann der Kenner in jeder Weinrunde locker diagnostizieren, was Sache ist - wenn er weiß, wie ein Pferd nach dem Ausritt „duftet“. Selbst hochwertige, teure Bordelaiser Gewächse sind nicht ganz frei von „Brett“.