Anderswo

Thanksgiving

Wer dieser Tage einen USA-Besuch plant, sollte nicht unbedingt den 24. November und das darauffolgende Wochenende dafür wählen.

Denn Thanksgiving steht vor der Tür. Wie jedes Jahr am vierten Donnerstag im November sind alle Verkehrsmittel sowie die Autobahnen proppevoll. Ganz Amerika scheint unterwegs zu sein, um mit der Familie, mit Freunden Erntedank zu feiern. Flüge und Hotels sind an diesem langen Wochenende überteuert, Bars und Clubs außergewöhnlich frequentiert. Wer allerdings Trubel mag, ist hier bis zum Dienstag richtig: Thanksgiving-Paraden (Macy’s in New York), das alljährliche Footballspiel und shoppen, bis die Kreditkarte krampft. Der Dienstag nach dem Dankfest ist der „day to give“. Charity ist dann angesagt.
Das Einzige, was Deutschland mit dem amerikanischen Erntedank gemein hat, sind die Gottesdienste, die bei uns jedoch konfessionell abhängig sind und seit 2010 das Einkaufen auf Online-Plattformen (Gründer: Amazon). Glaubt man shop.org, dann gleichen die Amerikaner am Brückentag „Black Friday“ in den Läden ihrer Shopping Malls die Preise ab, um dann am „Cyber Monday“ im Internet zuzuschlagen – garantiert nochmals günstiger.

Dankbarkeit für die „Neue Welt“
Niemand weiß genau, auf wen der Brauch dieser Festlichkeit zurückgeht. Kann sein, dass er zum ersten Mal im Mai 1541 von spanischen Kolonisten und den Ureinwohnern im Stamm der Caddo (heute Texas) begangen wurde. Gerne wird die Ursprungs-Erntedank-Feier auch den Pilgervätern im Jahr 1621 zugeschrieben, als die erste Ernte in der „neuen Welt“ zufrieden stellend ausfiel.

Die romantische Story
Am 21. November 1620 gingen 102 europäische Siedler von der "Mayflower" im jetzigen US-Bundesstaat Massachusetts an Land. Sie gründeten eine Kolonie und benannten sie nach ihrem englischen Heimatort: Plymouth. Im folgenden November feierten sie gemeinsam mit den einheimischen Wampanoag-Indianern das Erntedankfest. Zack. Thanksgiving war geboren. Mit den ganzen Leckereien, die in lieber Tradition noch heute auf den Tisch kommen. Lernt jedes amerikanische Kind.

Die realistische Story
Die Zahl der Auswanderer war durch Krankheit und Erschöpfung auf die Hälfte dezimiert. Als die Vorräte an Bord aufgebraucht waren, bewahrten die barmherzigen Mitglieder des Wampanoag-Indianerstammes die Kolonisten vor dem wahrscheinlichen Hungertod. Sie lehrten sie auch Mais anzubauen, der im folgenden Jahr ertragreich gewesen sein soll.

Die gereichte Speisefolge vom "First Thanksgiving Dinner" 1621 kann so (auch) nicht aufrechterhalten werden. Bis heute werden traditionell ursprünglich nordamerikanische Lebensmittel serviert, als da sind: Truthahn (Roasted Turkey) mit Corn Bread Stuffing, Süßkartoffeln (Sweet Potatoes), Kürbisgemüse (aus Squashkürbis), grüne Erbsen, Mais, Cranberry-Sauce, Apfel- und Kürbiskuchen und andere Torten und Desserts.

Ich will jetzt hier mal richtig kleinlich rüberkommen, darum schauen wir doch mal genauer hin: Gouverneur William Bradford (1590-1657) war an Bord der Mayflower. Aus dem Tagebuch des Chronisten Edward Winslow erfahren wir, dass besagter Gouverneur zum ersten Dankesfest einige Männer auf „Vogeljagd“ schickte. So kam wohl der Truthahn ins Spiel. Die Pilger hätten für dessen Zubereitung über einen funktionstüchtigen Ofen verfügen müssen, was sie nicht taten! Für die sehr süße und äußerst leckere Cranberry-Sauce benötigt man ordentlich Zucker. Ebenso für das ganze andere Naschwerk. (Torten waren übrigens zu diesem Zeitpunkt unbekannt.) Zuckerreserven gab es kaum auf der Mayflower und er stand auch erst etliche Jahrzehnte später zur allgemeinen Verfügung. Butter und Weizenmehl waren nicht zu bekommen. Auch Süßkartoffeln (Bataten genannt) sollen zu der Zeit noch unbekannt gewesen sein. Diese Windengewächse dürfen nicht mit Kartoffeln verwechselt werden. Letztere brachte Columbus von den Inkas in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Europa.

Kommen wir wieder in die Gegenwart. Jedenfalls wurde der Thanksgiving Day 1863 durch Abraham Lincoln in den Stand eines gesetzlichen Feiertags erhoben. Fortan wurde und wird am jährlichen Stichtag gehobelt, geschnippelt und gebrutzelt, was der Einkaufskorb hergibt. So um die 70 Millionen Truthähne sollen jährlich in den Herbst-/und Wintermonaten in den USA verspeist werden.

Obwohl ein staatlicher Feiertag, ruft ihn der Präsident ein paar Tage vorher offiziell aus. Bei dieser Gelegenheit erhält er von den Industrieverbänden auch immer einen lebenden Truthahn – ein wahres Prachtexemplar. Um dessen Hals baumelt eine Marke:

„Good Eating Mr. President!“

John F. Kennedy soll der erste Präsident gewesen sein, der das Tier nicht schlachten wollte. Seit 1989 (George H. W. Bush sr.) wird der Vogel offiziell jedes Mal als ein Akt der Wiedergutmachung begnadigt – ähnlich wie bei den Begnadigungen von Verbrechern üblich, erst kurz vor der „Hinrichtung“, also an Thanksgiving.

Die Vorstellung, dass Barack Obama nun bald acht amnestierten Riesenvögeln hinterm Weißen Haus Asyl gewährt, kann leicht zerstreut werden: Das verschmähte Präsidenten-Geflügel und sein Vize – ja, es sind stets zwei, falls sich das erste daneben benimmt – dürfen sich noch bei Thanksgiving-Paraden präsentieren. Wikipedia weiß, dass die Hähne aufgrund zuchtbedingter Gesundheitsprobleme typischerweise innerhalb eines Jahres nach der Zeremonie sterben.

Die Speisetafel ist der einzige Ort, an dem man sich niemals während der ersten Stunde langweilt. Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755-1826), frz. Schriftsteller u. Gourmet. Susanne Helbach-Grosser (2017)

Business mit Griechen

Griechenland ist aus dem derzeitigen Tagesgeschehen nicht wegzudenken. Die aktuelle Situation fordert geradezu einen (Rück-)Blick auf die Bewohner am Mittelmeer heraus. Falls Sie hellenische Gesprächspartner bei Businesskontakten erlebt haben, wissen Sie, dass der Grieche in jede Verhandlung mit dem Vorsatz geht, zu gewinnen!
Dabei sind Griechen jedoch wachsame, großzügige und ehrliche Individualisten. Wir Deutsche kommen da mit unserer mitunter zwanghaften Hektik nicht so gut an.

Die griechische Geschäftskommunikation ist sehr gefühlsbetont und dramatisch. Langer Augenkontakt ist üblich, wegschauen gilt als Unhöflichkeit. Leider beschränkt sich das gespannte Verhältnis der Hellenen zu Zeit und Terminen nicht nur auf die Privatsphäre, sondern betrifft wirklich jeden denkbaren Bereich. Folglich kann nur empfohlen werden, bei jeder Planung immer möglichst viel Luft einzukalkulieren.
Griechische Freundlichkeit – egal ob im Business oder im Urlaub erlebt – drückt sich auch durch einen geringeren Körperabstand aus. Als Nordeuropäer sollte man da nicht erschreckt zurückweichen! Sagt der Grieche Nein, dann zuckt er mit dem Kopf zurück – das wird gerne als ein Ja interpretiert. Um die Verwirrung perfekt zu machen, heißt Ja auf griechisch Ne.

Vor Ort in diesem von der Sonne verwöhnten Land machen uns aber die höflichen Begrüßungsformen kaliméra und kalispéra keine große Mühe, der in jungen Jahren erstandene Flokati-Teppich und die große lederne Umhängetasche haben längst ihren Zweck erfüllt und neuerdings zeigt die Waage, dass eine konsequente Kreta-Diät funktioniert. Gewöhnungsbedürftig finde ich persönlich das absolute Durchbraten der Speisen - zumindest in touristischen Gegenden und geharzte Landweine (Retsina). Das griechische Bier geht in seiner Tradition angeblich auf den ersten aus Bayern stammenden griechischen König Otto zurück.

Werfen wir noch einen Blick auf den Stil im antiken Griechenland, der Wiege der Demokratie.

Die Essen und Zusammenkünfte der Männer waren geprägt von Umgangsformen und Etikette. Das Symposium (philosophische Unterhaltung/Konferenz) oder die wortreichen, gelehrten Diskussionen, die man Table Talk nannte, begannen mit dem Trankopfer für die Götter (Wein, unverdünnt), dazu sang man Lieder zu ihren Ehren. Es gab kleine Symposien im privaten Bereich und große im öffentlichen Rahmen. Ein Symposium fand im Freundeskreis meist im Anschluss an ein Abendessen und im Speisezimmer statt. Ehrbare Frauen waren natürlich nicht zugelassen. Hetären unterhielten die Männer mit Tanz, Flötenspiel und akrobatischen Darbietungen.

Die Gäste schmückten sich mit Blumengirlanden und waren parfümiert. Während früh am Abend häufig über Politik und Philosophie gesprochen wurde, ging man später zu Witzen, Rätseln und Geschichten über. Griechische Schüler/Studenten betrachteten diese „Event“ als eine Möglichkeit, um mit Erlerntem zu brillieren.

Nachdem gut debattiert und viel getrunken worden war, schliefen die Gäste manchmal ermattet auf ihren bequemen Liegen ein. Aufräumen mussten andere – Frauen und Sklaven. Susanne Helbach-Grosser (2011)

Tischkultur in Europa aus dem Blickwinkel von FengShui

Heute erzählt uns Margarete Roelinga, FengShui-Beraterin aus Schwaikheim bei Stuttgart, wie wir mit Farben unsere Tischdekoration gezielt gestalten können. Denn schließlich isst das Auge mit! Welche Aussagen stellen die unterschiedlichen Farben dar und welche Symbolik verbirgt sich generell dahinter? Die über 5000 Jahre alte Weisheitslehre FengShui gibt Antworten.
„Wenn Sie bei der Tischdekoration beispielsweise Weiß als Grundton für die Tischdecke und das Geschirr verwenden, kommen alle weiteren Farben hervorragend zur Geltung. Falls Sie darüber hinaus zusätzlich Ihr Gewicht regulieren und abnehmen wollen, so wählen Sie dazu passende Blau-Töne. Yin-Farben zügeln den Appetit! Wollen Sie den Appetit anregen, so wählen Sie zu Ihrer weißen Grunddekoration Gelb- und Orange-Töne mit einem „Schuss“ Rot.
Tischdekorationen in den „fünf Grundfarben“ - den 5 Elementen Weiß, Blau, Grün, Rot und Gelb - kommen besonders gut zur Geltung, wenn Sie davon mindestens drei Farben in unterstützender Folge verwenden. Natürlich können Sie auch immer alle fünf Grundfarben dekorieren, um die Harmonie bei Tisch zu fördern.

Farbkombinationen für drei Farben:

  • Weiß, Blau und Grün
  • Blau, Grün und Rot
  • Grün, Rot und Gelb/Orange
  • Rot, Gelb/Orange und Weiß

Symbolik der Farben:
Blau ist die Farbe des Wassers und wird bei den Chinesen mit Geldverdienen in Verbindung gebracht. Es symbolisiert Ruhe, Treue, Frieden und Stille. Je heller das Blau, umso mehr Fernweh vermittelt es. Hellblau befreit, erweitert und lässt im wahrsten Sinne des Wortes den Menschen durchatmen. Je dunkler das Blau ist, umso passiver, statischer und drückender wird es. Blau ist auch die Farbe des Mondes, der Weiblichkeit und der Nacht ist (Yin).
In der chinesischen Tradition wird nicht Blau sondern Schwarz verwendet. Schwarz bedeutet auch Winter, Wasser und Weisheit.
Grün ist die Farbe des Holzes und steht für Wachstum und Harmonie. Grün wirkt auf uns Menschen beruhigend und kommunikativ. Lindgrün regt beispielsweise das Herz-Chakra an und damit auch die Energie des Herzens, des Gefühls und unterstützt eine gefühlvolle Kommunikation. Je dunkler das Grün ist, um so antriebsloser und behäbiger kann ein Mensch werden.
In der chinesischen Tradition steht die Farbe Grün für Wachstum und Gedeihen. Es bedeutet auch Herzensgüte und Frühling.
Rot ist die Farbe des Feuerelements und wird mit dem Leben an sich in Verbindung gebracht und kann den Prozess der Ich-Findung fördern. Rot wird dem Yang zugeordnet. Es ist männlich, stark und aktiv, gibt Kraft zum Durchhalten, stärkt das Bewusstsein, wirkt aber auch fordernd und herrschend. Rot ist auch die Farbe des Kriegers, der Liebe und der Leistungsbereitschaft, es vermittelt sowohl Achtung als auch Aggression.
Achtung: beim Einsatz von zu viel Rot kann es öfter zu Wutausbrüchen und Streitigkeiten kommen.
In der chinesischen Tradition steht Rot für das Glück. Deshalb trägt die Braut bei der Hochzeit meistens die Farbe Rot, wenn auch inzwischen das „westliche weiße Brautkleid“ in der Modebranche seinen Einzug hält.
Gelb ist die Farbe der Erde. Bei den Chinesen ist es auch die Farbe des Kaisers und wird deshalb oft in Palästen durch Gold ersetzt. Gelb ist die Farbe der Sehnsucht und der Extrovertiertheit. Achtung: dunkles Gelb kann Intoleranz, helles Gelb die Weisheit fördern.
Gelb ist beweglich und heiter. Ein schönes Sonnengelb vertreibt Müdigkeit und Arbeitsunlust, macht fröhlich und geistig rege. Es ist anregend für Nerven und Gemüt. Wird Gelb jedoch mit Schwarz vermischt, wirkt es intolerant. Gelb wird der Erd-Mitte und im Körper dem Solarplexus zugeordnet. Es regt den sowohl den Stoffwechsel als auch den Appetit an.
Gelb und Gold waren vor 5000 Jahren nicht immer gleichbedeutend. Heute wird oft Gelb statt Gold eingesetzt. Zur Zeit der Pharaonen in Ägypten war es genau umgekehrt. Denn der Glanz des Goldes und seine Spiegelung galten als heilig. Gelb ist nur ein Abglanz des mächtigen Goldes, denn der Sonnengott spiegelt sich in Gold und nicht in Gelb.
Die chinesische Tradition wiederum sieht in Gelb die Farbe der Erde. Deshalb wird diese Farbe dem Element Erde zugeordnet, welche der Kaiser regiert und ist die Farbe aller Herrschenden. Daher findet man Gelb auch häufig in chinesischen Teppichen.
Weiß. Mit Weiß ist eher Silbergrau als Weiß gemeint, denn Silbergrau ist die Farbe des Metalls.
Weiß ist eigentlich keine Farbe. Schwarz und Weiß stellen zusammen die Pole dar, aus denen die Farben entstehen oder anders gesagt, alle Zwischentöne sind Farben. So sind in absoluter Dunkelheit – Schwarz – oder Helligkeit – Weiß – keine Farben mehr wahrzunehmen.
Bei den Chinesen ist Weiß die Farbe des Todes. Tote werden in weiße Leintücher eingewickelt. Damit verknüpft man den spirituellen Aufstieg der Toten in das Lichtreich mit der Farbe Weiß.
Auch bei uns in Europa ist Weiß oft mit einem Trauerthema verbunden, wenn auch oft unbewusst. Wer sein z. B. sein Schlafzimmer ganz in Weiß gestaltet, von der Bettwäsche über die Wandfarbe und die Möbel, hat meist ein leidvolles Thema aus der Vergangenheit zu bewältigen. Wenn man die Farbe Weiß gleichzeitig mit vielen metallischen Gegenständen kombiniert, kann es unter Umständen im Laufe der Zeit zu Depressionen kommen. Alte Quellen berichten von der Farbe Weiß als der Farbe der Gerechtigkeit.“

Möchten Sie mehr über Immobilienberatung und Einrichtungskonzepte nach den ganzheitlichen Prinzipien des FengShui wissen? Bitte sehr: www.raumdesign88.de (2009)

Erscheinungsbild im Gastland

Kennen Sie das Spiel „Koffer packen – was nehme ich auf eine einsame Insel mit?
Sicher haben Sie es als Kind schon einmal gespielt. Um auf einer Geschäftsreise im Ausland – und auch im Urlaub – positive Spuren zu hinterlassen, sollten wir in Bezug auf Kleidung sehr sorgfältig unseren Koffer packen. Ob pauschal gereist oder geschäftlich – Botschafter des eigenen Landes sind wir allemal.

Out of Germany
Man braucht in fremden Ländern ein gutes Gespür für die Kleiderordnung des Gastlandes. Nehmen Sie angemessene und seriöse Kleidung mit, um Ihr Unternehmen optimal zu repräsentieren. In vielen Ländern ist schon eine gebügelte Hose und ein sauberes Hemd ein Zeichen von Wohlstand.

In Ägypten und in der arabischen Welt zum Beispiel ist einfache Eleganz angesagt, Frauen tragen hochgeschlossen, Australier mögen es lässiger, in China punkten Sie mit konservativer, korrekter Kleidung. Zu nonchalante, gar schlampige Kleidung, wird gleichgesetzt mit einem unfähigen Unternehmen. Im Süden Europas liegen Sie mit förmlichem Stil und dezentem, geschmackvollen Schick richtig. In England wird legere Kleidung ausdrücklich annonciert, z. B. auf privaten Einladungskarten.

Für Japan nehmen Sie alle Ihre tollen (konservativen) Markenartikel mit. Weiß gilt als Trauerfarbe (mildern Sie es als Frau mit Buntem), unauffälliges Gepflegtsein kommt gut an, nicht zu stark parfümieren, und in Osteuropa machen Sie mit konservativ-formell in gedeckten Farben nichts verkehrt – hier legt man großen Wert auf sein Äußeres. Achten Sie in Russland auf seriöse, korrekte Garderobe in überwiegend gedämpften Farben. Protzen mit teurer (Marken-)Kleidung und Schmuck liegt nur den Neureichen. Aber dann richtig!

Schuhe aus

Betreten Sie Privatwohnungen in Skandinavien, Finnland, Russland, Tschechien und in vielen arabischen Ländern ohne Schuhe, Hausschuhe werden angeboten. Eigene „Schläppchen“ sind nicht verkehrt. In Japan werden oft sogar in Büros die Schuhe ausgezogen, bei den wenigen Einladungen nach Hause unbedingt, so wie in Thailand auch.

Entscheiden Sie sich auch in den USA für Ihr solides Businessoutfit, nackte Beine sind bei Frauen verpönt – Hygiene von Kopf bis Fuß ist ein Muss! Frauen treten eher im Kostüm als im Hosenanzug auf. Eine Warnung, die in keinem US-Führer über Good old Germany fehlt: „Die Deutschen haben die Neigung, sich in den Sommermonaten ihrer Kleidung zu entledigen!“

Inder lernen Sie in Ihrer formellen Businesskleidung kennen und schätzen – in den klimatisierten Büros dürfen Sie auch etwas aufgebrezelter erscheinen. Als Europäer(in) können Sie in Indien die dortige traditionelle Kleidung tragen (Sari, Kurta = kragenloses, weit geschnittenes langes Hemd), in der arabischen Welt nicht. Der einheimischen Bevölkerung sind Dishdasha, Abaya oder arabischer Kaftan mit Kofia (zylindrische Kopfbedeckung für IHN) vorbehalten. Wenn Sie als Frau allerdings eine Moschee besuchen, werden Sie um eine Abaya mit einem leichten Chiffon-Kopftuch (Sheyla) oft nicht umhinkommen.

Generell im Ausland

Für Männer sind Shorts, Unterhemden, sogar T-Shirts, in etlichen Ländern auf öffentlichen Plätzen und Gebäuden verpönt. Das deutsche männliche Schreckgespenst bei 28 Grad Celsius: ausgeleiertes/zu enges Achselshirt oder Hawaiihemd bis zum Bauchnabel offen, Goldkette, schlotternde Boxershorts, dampfende Plastiksocke in (beiger) Sandale, oder ungepflegte Füße in Badelatschen. Übrigens: „Klempnerlächeln“ nennt man jene Gesäßfalte, die Träger tiefsitzender Buxen bisweilen offenbaren!

So geht es auch

„Freestyle Cruising“ heißen erfolgreiche Konzepte einiger Reedereien: Kein Gängeln der Passagiere bei Kleider- und Tischordnung sowie bei der Nahrungsaufnahme. Immer mehr internationale Hotels weisen ihren Gästen in Poloshirts nicht mehr die Restauranttür. Erfolgreiche Geschäftsleute, die sonst nur in Schlips und Kragen auftreten, wissen das zu schätzen. Susanne Helbach-Grosser (2017)

Muslimische Mitbürger

Als Dank für seinen bewegenden Vortrag erhielt der muslimische Referent vom städtischen Vertreter im Beisein aller ein Präsent mit Weinen aus der Region. Unsensibel? Ja.

Als Bilder der bemerkenswerten Willkommenskultur um die Welt gingen, sah man, wie engagierte Deutsche an die eben angekommenen Flüchtlinge neben Obst auch Gebäck und Süßigkeiten verteilten. Toll gemacht aber unsensibel? Ja.
Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit beobachte ich – auch bei mir selbst – dass es doch etliche Unsicherheiten im Zusammenleben mit unseren muslimischen Mitbürgern gibt. Für viele Deutsche ist der Islam eine etwas mühsame Religion, wie’s scheint. Man weiß nie so recht wo Fettnäpfchen lauern. Andersherum ist es genauso – das erübrigt jetzt (hier) die Frage, wer sich eigentlich in welche Kultur integriert.

Da ist die Sache mit dem Handgeben von Mann zu fremder Frau: traditionell geht das gar nicht. Höfliche mündliche Begrüßung mit einem Kopfnicken (die Ideologie dahinter kann hier nicht Thema sein!).

Das Ausziehen der Straßenschuhe an der Wohnungstür: unbedingt, wenn Teppich/Teppichboden zu sehen ist, er wird auch ohne speziellen Gebetsteppich zum Beten genutzt.

Wie gehen Muslime mit Weihnachten und seinen vielen Symbolen um?

Dabei machen es uns kulturell angenäherte Muslime ziemlich leicht. Nicht zuletzt durch ihre Kinder ist Weihnachtliches in ihren Alltag gekommen. In Kindergarten und Schule werden Adventskalender gebastelt, Kekse gebacken und Nikoläuse verteilt. Der Besuch eines Weihnachtsmarktes ist normal. Christliche weihnachtliche Merkmale verbinden Muslime mehr mit den Feierlichkeiten des Jahresabschlusses. An Silvester verteilt der „muslimische“ Coca-Cola Weihnachtsmann seine Geschenke unter den Kindern.

„Frohe Weihnachten!“ „Schöne Feiertage!“

Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen werden von muslimischer Seite „Schöne Festtage“ gewünscht. Das ist unverfänglich und es verstehen alle Religionen. Sensible Christen sprechen ihre Glückwünsche zum Ende des Fastenmonats Ramadan aus - „ʿĪd mubārak“ (arabisch) oder „Bayraminiz mübarek olsun“ (türkisch). Beides bedeutet so viel wie „Gesegnetes Fest“. Diese guten Wünsche werden in Kartenform versendet und online. Fastenbrechenfest und Opferfest sind die wichtigsten Tage im islamischen Kalender. Die genauen Daten müssen jährlich erfragt werden.

Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland formuliert so: „Wir verschicken grundsätzlich Weihnachtsgrüße, genauso wie wir an den hohen jüdischen Feiertagen gratulieren. Ein respektvoller Umgang mit den Nachbarn ist im Sinne des Islam“. Und: „Wir machen bei den ein oder anderen deutschen Bräuchen mit. An christlichen Ritualen nehmen wir jedoch nicht teil.“ Das Krippenspiel in der Kirche ist also eine Grenze.

Eine Weihnachtsgans am ersten Feiertag? „Klar genießen wir die manchmal“, verriet mir meine neue türkische Nachbarin. „Auch ein Gläschen Raki oder Wein ist absolut vertretbar - nur betrunken zu sein ist beschämend für uns.“

Die Geschenke - Prophet Mohammed sagte: "Macht einander Geschenke, denn ein Geschenk entfernt den Ärger aus der Brust". "Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft", weiß der Deutsche.
Koran und Sunna schreiben vor, was Muslime essen und trinken dürfen, Erlaubtes heißt darin Halal und Verbotenes Haram. Halal-zertifizierte Betriebe sind unter www.halal-zertifikat.de zu finden. Alles was zum Verzehren gedacht ist muss frei sein von Alkohol, Schweinefleisch, Gelatine und von nicht genau definierten tierischen Fetten. Für Muslime finden sich unerlaubte Bestandteile zum Beispiel in Torten, Schmalzgebäck, Pralinen (Alkohol), Schokoriegeln (Gelatine, Alkohol), Fruchtgummi. Vegane Lebensmittel machen es heute einfach.

Was geht? Ein Präsentkorb zum Beispiel. Gefüllt mit frischem Obst, sehr gutem Speiseöl und Kräutern. Vorsicht bei Gewürzmischungen. Auch Pflegeprodukte (z. B. Veleda-Kosmetik) sind willkommen. Das berühmteste Wasser der Welt, Eau de Cologne, ist für deutsche Nasen wie für Rosenwasser verwöhnten osmanische Nasen hopp oder top: Entweder angenehm duftend wie „ein italienischer Frühlingsmorgen nach dem Regen mit Aromen von Orangen, Pampelmuse, Bergamotte und Kräutern meiner Heimat" (Zitat des Erfinders Johann Maria Farina 1708). Oder ein ziemlich penetrantes Zeug. Also Vorsicht damit – vorher ausloten, wo’s passt.
Wer tiefer in die Tasche greifen möchte, sollte wissen, dass Männer keine Seide und kein (echtes) Gold tragen dürfen (Frauen sehr wohl), Silber ist kein Problem.

Schnitt-Blumen gehen immer. Auch Topfpflanzen in schönen Gefäßen. In der Türkei gibt es keine Blumen, von denen man glaubt, dass sie Unglück bringen. Das Verschenken von Blumensträußen in Saudi-Arabien ist unerwünscht, „denn dieser Brauch beinhaltet unrechtmäßigerweise Geldverschwendung und die Nachahmung der Feinde Allahs." Knallhart im Institut für Islamfragen abgedruckt.

So oder so: "Ein Geschenk, das kein Opfer ist, ist kein Geschenk" (John Steinbeck), Susanne Helbach-Grosser (2018)