Mitten in Deutschland

Tabakentwöhnung

Es ist schon über 10 Jahre her, dass Spaßbremsen – sprich Nichtraucher – die „coolen“ Tabakraucher aus Büros, Restaurants und Seminaren per Gesetz ins Ghetto schickten. Seitdem frönen sie in markierten Bereichen und vor allem an der frischen Luft ihrem Laster.

Kissing a smoker is like licking an ashtray.
Die Gesundheitsbedachten unter ihnen dampfen nun. So heißt jetzt rauchen. Sieht aus, als würde jemand an seinem aufgemotzten Kuli nuckeln und teils gewaltige Dunstwolken ausstoßen. Alles könnte so einfach sein, wären da nicht die alten Spielverderber, die doch glatt infrage stellen, ob E-Zigaretten wirklich so harmlos sind. Auch die Hüter des guten Benimms melden sich zu Wort: Hat es denn Stil, im Beisein anderer ungefragt zu dampfen?

Wirf die Nebelmaschine an!
Mit dem ausgeatmeten Aerosol der elektronischen Glimmstängel gelangen gesundheitsschädliche Substanzen wie Propylenglycol, Glycerin, Nikotin, Benzylalkohol und Formaldehyd in die Raumluft. Ohne Zweifel: diese Schadstoffe können insbesondere für sensible Gruppen problematisch sein. Unwissentlich nehmen wir diese Gifte dazu tagtäglich über Hautcremes, Kaugummis, Zahnpasta, Liköre, Fleisch- oder Schokoladenerzeugnisse (E 1519) zu uns. Einige dieser Toxika sind zum Beispiel in grünem Tee und Nelkenöl von Haus aus vorhanden.

Propylenglycol (PG) ist auch der Grundstoff für Nebelmaschinen. Wenn ein DJ die Dampfmenge von 8.000 E-Smokern gefahrlos auf tanzende Teenies und Theaterbesucher vernebeln darf, kann doch niemand ernsthaft mit einer Schädigung Dritter durch die Verdampfung von PG durch E-Zigaretten daherkommen – meint die Dampfer-Lobby. Fakt ist, dass langfristige Studien fehlen, um Beeinträchtigungen eindeutig zu quantifizieren. Die große Gefahr bei E-Zigaretten ist das tiefe und häufige Inhalieren eines Chemiecocktails, von dem niemand genau weiß, was drin ist.

Verbieten oder zulassen? Die Rechtslage
Am Arbeitsplatz
Da bei den Umsteiger-Zigaretten lediglich ein Verdampfungsprozess stattfindet und keine Verbrennung, fallen E-Zigaretten nicht unter den Anwendungsbereich des Nichtraucherschutzgesetzes. Es besteht somit keine Verpflichtung (und Schwierigkeit) des Arbeitgebers, E-Zigaretten am Arbeitsplatz zu verbieten. Die Tendenz geht allerdings immer mehr in Richtung Verbot.

Für den elektronisch rauchenden Kunden sollte allerdings eine Möglichkeit geschaffen werden, damit der Geschäftsabschluss nicht etwa an Entzugserscheinungen scheitert.

Gastronomische Betriebe
Hier ist aus dem gleichen Grund Dampfen erlaubt. Da die Gastronomie (angeblich) stark unter der Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes gelitten hat, können nun die Inhaber auf das erlaubte Dampfen hinweisen. Durch ihr Hausrecht ersparen sie somit Gästen den Weg vor die Tür. Bestimmt gewannen dadurch schon viele Lokale neue Gäste hinzu. Ob andere wegblieben?

Ob Kreuzfahrtschiff (international strenge Raucher-Regeln), Flugzeug (Akkus von E-Zigaretten dürfen nur ins Handgepäck) oder Bahn (Dampfen in deutschen Zügen verboten) – Bestimmung sollten vorher eingeholt werden!

Dampfend auf Reisen
In allen EU-Ländern gelten seit 2016 die Vorgaben der Brüsseler Tabak-Produkt-Richtlinie (TPD II). Dampfen sowie der Erwerb von Liquids ist in manchen Ländern dennoch (streng) reglementiert, z. B. Schweiz, Spanien, Finnland, Norwegen.

Wer in außereuropäische Destinationen fährt, sollte sich vorab eingehen (!) schlau machen. Die Missachtung von Rauchverboten (auch für E-Zigaretten-Freunde/E-Shishas) reichen bis hin zu hohen Geldstrafen (Brunei, Singapur, Dominikanische Republik, VAE …).

Unter Dampf in geschlossenen Räumen
Man kann dieses Accessoire der Neuzeit finden wie man will (scheußlich, unglaublich unästhetisch, ungesellig, ein harmloses Lifestyleprodukt, Entwöhn-Hilfe …), sehr viele Menschen fühlen sich nicht ernst genommen und unangenehm berührt, wenn andere in ihrer Gegenwart in aller Seelenruhe Dinge tun, die Respekt vermissen lassen. Schon lange klagen Hochschulen über die selbstverständlichen Vesperorgien ihrer Studierenden während der Vorlesungen. In Seminaren, Assessment Centern, bei Präsentationen dampft nun schon mal einer ungefragt vor sich hin. Sensible Nasen riechen bei starken Liquids künstliche Aromen. Mit viel Power am Gerät gibt’s große, dichte Dunstwolken, die schlagartig die Umgebung einnebeln.

Small Talk-Themen im Kreise elektronisch Rauchender verlangen vom Passiven ein hohes Maß an Lernwillen: Vivi-Nachbauten, Lebensdauer eines Verdampferkopfes, ES Wicklung in 500er Mesh, BT-V1, Basenarten, PG + VG Liquids, vertrauensvolle Händler, Cartomizern und Clearomizern sind erst mal Böhmische Dörfer.

Wer sich gestört fühlt, sagt dies am besten höflich und Dampfer fragen vorher. Meine Erfahrung hat mich gelehrt: Die meisten der wohl inzwischen 3,7 Millionen E-Raucher (und der iQOSler) sind durchaus bereit, Rücksicht zu nehmen. Susanne Helbach-Grosser (2017)

Gute Nachbarn sind ein echter Schatz!

Eine schon etwas betagte Studie aus dem Jahr 2007 belegt, dass die Beziehungen der Deutschen zum Nachbarn überraschend intakt sind. Daran wird sich bis heute sicherlich nicht viel geändert haben. Auf der anderen Seite leben etliche TV-Nachmittagsformate von den Horrorgeschichten streitsüchtiger Nachbarn, weil der Frosch im Teich quakt oder im Herbst eine Handvoll Laub nicht entsorgt wurde.

Darauf können Sie wetten: Pünktlich zur Eröffnung der Grillsaison wird in den Medien jedes Jahr ein Katalog an DOs und DON’Ts für das Open Air-Miteinander veröffentlicht, damit auch jeder weiß, ob er den Kinderspielturm des Nachbarn tolerieren muss und wie breit die Lingusterhecke sein darf.

Gute Nachbarn sind viel wert.
Wer schon einmal privat – aber auch in ein anderes Büro – umgezogen ist, weiß: Neue Geräusche, andere Gewohnheiten fremder Menschen sind zu verkraften. Egal, wie viel Raum man um sich zur Verfügung hat, es gibt immer eine Eingewöhnungs-Phase und Grenzen müssen eventuell abgesteckt werden.

Feste Empfehlungen für den Umgang mit neuen Nachbarn gibt es heute nicht mehr. Viele Menschen denken: „Kümmere du dich nur um deine eigenen Angelegenheiten – ich tue das auch.“

Höflich ist es, wenn man sich als Neuzugezogener bekannt macht – in Einfamilienhäusern erst mal rechts und links, im Mehrfamilienhaus auf der gleichen Etage gegenüber sowie darüber und darunter. Meistens geht das unproblematisch auch im Treppenhaus oder vor der Tür. Natürlich kann man auch an Nachbars Tür klingeln: „Wir sind neben (unter, über …) Ihnen eingezogen. Ich bin Kati Mustermann. Leider werden wir in den nächsten Tagen noch ein wenig Krach machen müssen, bis alles an seinem Platz ist.“ Oder: “Haben Sie Lust, morgen auf einen Kaffee zu uns rüber zu kommen?“

Denn spätestens wenn der erste Urlaub ansteht und der Briefkasten geleert, die Katze gefüttert oder Pflanzen gegossen werden wollen, kann ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn sehr nützlich sein. Aber so berechnend muss man gar nicht denken. Wer sich gelegentlich um die Anwohner kümmert, hält sich auch für andere offen.

Auch der Auszug aus einer gewohnten Umgebung ist geräuschintensiv aber bestimmt leichter „verhandelbar“ mit den ja schon bekannten Nachbarn. Vom Hinweis im Treppenhaus: „Wir ziehen am kommenden Wochenende um. Bitte entschuldigen Sie, wenn es etwas lauter wird“ bis hin zum letzten Glas mit den Lieblingsnachbarn oder einer zünftigen Abschiedsfête ist ja alles machbar.

Wenn es dem Nachbarn nicht gefällt …

Gibt es eine generelle Strategie mit Nörglern auszukommen? Je nachdem, was für ein Kommunikationstyp man selbst ist, kann man

  1. seinen unwiderstehlichen Charme einsetzen: „Wir bekommen morgen schon ganz früh Handwerker, ich weiß, das wird Sie nicht begeistern.“ Lächeln, lächeln … „Haben Sie Lust auf ein Entschädigungs-Bier am Abend bei uns?“
  2. Alles an sich abperlen lassen (Teflon-Strategie) und dass Gebruddel nicht allzu ernst nehmen.
  3. Tacheles reden und gemeinsam eine Lösung für das Problem suchen. Der unzufriedene Nachbar muss Farbe bekennen und kann mal alles loswerden.

Nichts zieht mehr Energien ab als permanenter Kleinkrieg in der Nachbarschaft – darum auf allseits gute Nachbarschaft! Susanne Helbach-Grosser (2009)

Essay über die Freundschaft

Da kommt man von seiner Urlaubsreise zurück und hat fernab von Zuhause eine Freundschaft geschlossen, von der man denkt, sie wird trotz großer Entfernung „ewig“ halten. Ernüchternde Zahlen sagen, dass nur zehn Prozent dieser Bekanntschaften zu tiefergehenden Verbindungen werden, die ein Leben lang halten.

Freundschaften bereichern unser Dasein. Aber erst im Stadium der Vertrautheit erhalten sie eine ganz besondere Qualität: Erst wenn wir uns vorbehaltlos öffnen können, profitieren wir seelisch und körperlich – und verlängern buchstäblich unser Leben. Freundschaft basiert immer auf Freiwilligkeit und funktioniert nur dann, wenn sie keine Einbahnstraße ist. Sie darf nicht erzwungen werden, ist nie selbstverständlich, zieht uns emotional nicht nieder, ist kein öder Gewohnheitskontakt, der früher einmal passte.

Eine gute Freundschaft muss reifen wie teurer Wein. Sobald ein gemeinsames „Vertrauenskapital“ da ist, muss man an ihr arbeiten, um sie am Leben zu erhalten.

Dann muss man diesen Schatz hüten – aber auch regelmäßig Bilanz ziehen: Wie steht es eigentlich um meine Freundschaften? Vieles ist für uns so selbstverständlich, dass wir es gar nicht mehr registrieren. Es sei denn, es fehlt uns plötzlich. Dann wird es wieder wertvoll und bewusst.

Leider soll Freundschaft heute eine möglichst stressfreie Gutfühlzone sein. Bewährungsproben werden ängstlich vermieden. Wie schade. Freund ist uns heute, wer uns in der Richtigkeit unserer Meinungen und Entscheidungen gutheißt – ein wahrer Freund ist jedoch, der uns hilft, unsere Flecken zu tilgen, ehe Feinde sie entdecken.

Einige unserer Freunde haben wir „unterwegs“ verloren, manche begleiten uns aber bereits seit Kindertagen. Auch wenn die Freundschaft vergeht, die gemeinsame Erinnerung bleibt.

So ist sie, die Freundschaft. Susanne Helbach-Grosser (2009)

Heute geht es um ein „anrüchiges“ Thema mit den Namen: Toilette, Klo, WC, Lokus, Abort, restroom, lavatory, cabinet, Pissoir, Urinal, Latrine. Dazu kommen etliche antiquierte sowie vulgäre Begriffe, deren Nennung hier „ein Griff ins Klo“ wäre. 


Seiten füllend und sehr spannend ist alleine schon die Karriere der Bedürfnisanstalt. Schotten, Sumerer und Inder bedienten sich vor 5000 – 3000 Jahren eines Sitz-Klosetts. Auch Hockvorrichtungen waren einst auf der Welt modern, der königliche Thron mit Loch, Donnerbalken zum Sammelsitzen und die Pinkelrinne mit automatisierter Einspeisung von Eiswürfeln gegen den Gestank an heißen Orten. Heutzutage fragen wir uns, was die Klokultur nach dem Unisex-Urinal und den verspielten Hightechgeräten mit Kicker-Set und TV in Augenhöhe wohl noch hervorbringt.

Uns geht es jedoch hauptsächlich um Verhaltensformen auf dem Örtchen.

„Ich gehe auf (die) Toilette“ – das die wird gerne weggelassen, was unkorrekt ist – und ankündigen muss man seinen Besuch dort auch nicht.
In Gesellschaft langt ein: „Bitte entschuldigen Sie mich kurz.“ Was auch den Vorteil hat – etwa bei einem noblen Essen – dass sich der Tischherr der Dame noch galant erheben kann anstatt ihr verdutzt nachzublicken, wenn sie abrupt den Tisch verlässt.
„Ich bin dann mal auf 17“ kündigt die Verkäuferin ihrer Kollegin vor Kunden das eigene Verschwinden an. Und wir schmunzeln.

Wartet die Sekretärin vor der Toilette auf den Besucher, falls der sich vor dem Meeting noch rasch frisch machen möchte? Ist jemand fremd im Unternehmen muss er weiterhin geführt werden und die Frage erübrigt sich.

Vielen Frauen ist der Gedanke unangenehm, jemand könnte Geräusche ihrer Körperfunktion bei der Toilettenbenutzung von ihnen hören. Für Japanerinnen wurde schon vor 30 Jahren die „Geräuschprinzessin“ erfunden – ein Gerät, das das Geräusch der Wasserspülung imitiert und beliebig oft betätigt werden kann.
Diese kleine Aufmerksamkeit kommt auch bei uns in engen Toiletten mit kleinen Waschräumen gut an: Ist „frau“ schon beim Händewaschen während die andere noch „sitzt“, einfach das Wasser ein wenig länger laufen lassen.

Überhaupt, die netten kleinen Gesten, die ja eigentlich Standard sein sollten. An den Nachnutzer denken!
Wer das letzte Papier verbraucht, kann (im Unternehmen) eine neue Rolle einhängen.
Sind noch Spuren der Hinterlassenschaften zu sehen? Man darf ausdrücklich die Klobürste zum Einsatz bringen!
Niemand schaut gerne in die Tiefe, darum sollte der Toilettendeckel nach Gebrauch geschlossen werden (nach chinesischer Ansicht bleibt so auch das Geld im Haus).
Obwohl – aus der hygienischen Ecke heraus betrachtet, sollte das Anfassen des öffentlichen Toilettendeckels ja eher unterbleiben.
Sehr angenehm, dass sich High-Tech-Toiletten (vor allem Washlets im Ausland) automatisch schließen oder durch ganz leichtes Antippen den Deckel senken.

Weitere Anstöße, garantiert nicht anstößig:
Männer berichten hin und wieder von ernsthaften Herausforderungen. Da betritt der Chef/ein Kunde die Toilette und will mit IHM am Urinal ein Schwätzchen halten. Und – oh Schreck – womöglich noch mit Handschlag! Den darf man dann ausnahmsweise ignorieren – aber ohne einen erklärenden Satz kommt „mann“ aus dieser Nummer nicht heraus.
Nach einer aktuellen Umfrage meines Netzwerkes Etikette Trainer International finden 98% der Befragten eine Begrüßung per Handschlag auf der Toilette unangemessen – ein kurzes Kopfnicken sei ausreichend.

Auf der anderen Seite wird Business im schicken Vorraum von Toiletten gemacht – manch guter Kontakt ist dort schon entstanden. Das ist indes nichts Neues – erfuhr man doch schon im alten vornehmen Rom bei „gemeinsamen Sitzungen“ alles was Vorteile bringen konnte. Sozusagen auf dem "Latrinenweg".

Mit großer Sicherheit kennen Sie diese etwas unangenehmen Situationen, die unter Umständen peinlich sein kann. Das in Ruhe abgewickelte Geschäft hinterlässt einen unangenehmen Geruch. Den Streichholztrick kennt jeder, er ist auch sehr „verräterisch“. Inkognito kann das Örtchen verlassen, wer sich auf PooPourri verläßt – ein Spray, das alles im Spülwasser 100-pro neutralisiert.

Und was tut man besser im Vorraum des WCs und lieber nicht da draußen in Gesellschaft? Mit dem Zahnstocher hantieren, Insulin spritzen, Make-up erneuern, Lippenstift auftragen ... Susanne Helbach-Grosser (2017)

Kaffeeklatsch

Kein Mann muss sich seiner Kaffeeklatsch-Leidenschaft schämen: waren doch die Männer historisch betrachtet beim Kaffeegenuss einst weitgehend unter sich. Schon in der Mitte des 15. Jh. empfahl in Arabien Mufti Gemaleddin seinen untergebenen Derwischen den Gebrauch des anregenden Getränkes zu ihren Gebeten (Dr. Eugen C. Bürgin).

In Mekka entstand das erste Kaffeehaus. Hier „rotteten“ sich Anfang des 16. Jh. die Bewohner zusammen, um angefeuert von der schwarzen Bohne, die Zeitumstände zu diskutieren. Nachdem sich mit päpstlichem Segen die Kaffeehäuser auch in Italien ausdehnten (Venedig 1645), nahmen auch Frauen den Genuss in geselliger Runde wahr. Als ursprüngliches Männergetränk (er half, den unmäßigen Alkoholgenuss einzudämmen) hatte Kaffee manche Widerstände zu überwinden: Frauen entrüsteten sich über die starke Kaffee-Lust ihrer Männer, wie z. B. 1674 in London mit der „Women’s Petition against Coffee“, in der die große Schädlichkeit des schwächenden Getränkes für die Sexualität dargelegt wurde. Die Marseillerinnen sagten einige Jahre später dem Kaffee den Kampf an. In der Schweiz gar wurde 1769 allen Untertanen bei Strafe der Missbrauch verboten. (Wirten war es jedoch erlaubt, Reisende der schädlichen Wirkung des Kaffees auszusetzen!) Auch in Schweden war er verboten (1756), und Friedrich der Große vertrat die Ansicht, dass Kaffee nichts für „Hand“-Arbeiter sei.

Übrigens: 1712 eröffnete das erste Kaffee-Haus in Stuttgart.

Aus den Kaffee-Häusern entstanden die Clubs in England. Susanne Helbach-Grosser (2010)

Logierbesuch

Wie leicht sagt sich das: „Wenn ihr mal wieder über Ansbach fahrt, schaut doch unbedingt bei uns herein – natürlich auch über Nacht.“
 
Sind Sie jederzeit auf überraschenden Logierbesuch von Freunden oder Verwandten vorbereitet? Muss man das überhaupt sein? Wer bei Bekannten kurzfristig um ein Bett auf seiner Durchreise bittet oder sich sogar für einige Tage einquartieren möchte, muss schon ein sehr gutes Verhältnis zu den Gastgebern in spe haben oder sich sicher sein, dass diese ein wirklich offenes Haus führen. Die Frage nach einer Übernachtung sollte generell mindestens acht Tage vorher gestellt werden.
 
Natürlich erhält der Bruder, die Freundin am Ende einer Partynacht in den eigenen Räumen ein Plätzchen, falls er oder sie nicht mehr nachhause fahren kann/darf/möchte. Dabei stellt niemand große Ansprüche und am anderen Tag ist man sie wieder los. Junge Leute besuchen sich gerne spontan, haben den Schlafsack im Gepäck und sind mit einer Luftmatratze zufrieden.
 
Ob angemeldeter lieber Weihnachts- oder Spontibesuch, Gäste machen (trotzdem) Arbeit und Mühe. Am besten kommt man miteinander aus, wenn einige Regeln beachtet werden. 

 DOs

  • Wer eingeladen ist sollte sich den Gepflogenheiten des Gasthauses „unterwerfen.“ Es ist ja nicht für immer
  • Vorab spezielle Speiseunverträglichkeiten deklarieren
  • Ein kleines Geschenk bei der Ankunft überreichen – oder sich durch eine Restauranteinladung revanchieren, bei längerem Aufenthalt etwas zum Haushalt beitragen
  • Fragen, ob/wo geraucht werden darf
  • Sich dem Rhythmus im Gasthaus anpassen („Wir gehen um 6:30h ins Bad ...“)
  • Angerichteten Schaden sofort beichten und für Ersatz/Erstattung sorgen
  • Hilfe bei den täglichen Hausarbeiten anbieten
  • Radio im Gästezimmer auf verträgliche Lautstärke stellen
  • Bad und Toilette (Männer setzen sich!) ordentlich hinterlassen, sein Bett nur selbst abziehen, wenn man sicher ist, dass das den Gastgebern nicht zu privat/unangenehm ist
  • Sich auch mal zurückziehen, etwas alleine unternehmen
  • Ein Trinkgeld für etwaiges Hauspersonal hinterlassen.

DON’Ts

  • Umstände machen, den Gastgeber zu sehr zeitlich in Anspruch nehmen
  • Sonderwünsche haben bezüglich Brotsorten, Essenszeiten ...
  • Wenn Gastgeber während der Besuchszeit selber eingeladen sind oder andere Gäste haben, nicht selbstverständlich annehmen, man sei dabei
  • Telefon oder Fernseher belegen, die Tageszeitung durcheinanderbringen
  • Den (ausdrücklich genehmigten) mitgebrachten Hund ins fremde Bett lassen
  • Sich (heimlich) an den Vorräten vergreifen und es auf den Hund schieben
  • Die Bar/den Kühlschrank plündern
  • Rumschnüffeln in fremden Wohnungen! 
     
    Wenn nun noch die Gastgeber hin und wieder bis 10 zählen und die Gewissheit haben, dass sie diesen Besuch irgendwann einmal „heimzahlen“ werden, kann es nur noch schön werden. Susanne Helbach-Grosser (2011)

Sommer in der Stadt

Mit Stil glänzen und Fettnäpfchen elegant umrunden.

In unserer modernen und toleranten Gesellschaft ist vieles „erlaubt“, was noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre. Aber nicht übertreiben: Mit Stil kann man auch im Sommer überall eine gute Figur machen.

„No shoes, no shirt, no service“! Der allzu freizügige Schönwetter-Look animiert Kellner*innen nicht nur in fernen Ländern (zum Beispiel in Australien) zum „Weggucken“. Auch hierzulande ist ab einer bestimmten Kategorie Zurückhaltung angesagt, selbst wenn die Sonne noch so heiß scheint.

Öffentlich essen und rauchen

Zu den beliebtesten Sommerfreuden gehört es, ein erfrischendes Eis zu schlecken. Am Stiel oder aus der Waffel. Aber Vorsicht: Es wirkt leicht vulgär, wenn im Beisein anderer die Zunge weit rausgestreckt und geleckt wird. Es geht auch anmutiger – beim Waffeleis mit einem Löffelchen. Und: Mit einem „angefangenen“ Eis betritt man kein Restaurant. Die Schuhe unterm Tisch bleiben auch bei größter Hitze an!

In der Mittagspause rauchend und essend durch die Straßen, über Plätze bummeln? Die Freiheit kann ja so schön grenzenlos sein. Sollte aber in diesen Fällen nicht wörtlich genommen werden. Eine Frau raucht nicht auf der Straße – das ist weiterhin verpönt. Ebenso das Essen und Trinken in der Menge. Der Stehtisch vor einem Imbiss ist für den Genuss von Kleinigkeiten, die als „to go“ gekauft wurden, der richtige Platz. Was man „zum Mitnehmen“ ersteht, muss ja nicht zwingend auf dem Weg gegessen werden.

Venedig unternahm 2007 den erneuten Versuch, ihren Touristen bessere Manieren beizubringen. Wie ein Mülleimer sieht die Stadt aus, schimpften die Venezianer. Das Liegen auf Plätzen wurde verboten, auch das Essen auf der Straße. Rund um den Markusplatz sah man neue Verbotschilder, die auch Herumlaufen mit nacktem Oberkörper untersagten. "Denken Sie daran, dass der Markusplatz ein Museum unter freiem Himmel ist!", mahnte der "Knigge alla veneziana" in seinem Verhaltenskodex - jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Der Tourist war angesichts so viel Selbstverständlichkeit frustriert!

Und hiermit mache ich mich bestimmt unbeliebt: Wenn Sie Ihren Latte macchiato genießen, denken Sie an die italienische Ästhetik, die hinter dem Schichtenkaffee steht: Man macht die Schichten nicht kaputt - das ist eine Sache des Prinzips. Ganz „Italien-like“ bestellen Sie sich einen Trinkhalm dazu. Grundsätzlich isst man kein Getränk und trinkt kein Gericht. Vielleicht können Sie mit diesem Hintergrund auch der Versuchung widerstehen, den Cappuccino-Schaum zu löffeln. Susanne Helbach-Grosser (2014)

„Trauern heißt Lieben“

Welch wunderbarer Titel eines TV-Beitrags am Volkstrauertag.

Tod und Abschied ragen immer wieder in unser Leben hinein. Meistens sind wir nur Zuschauer und fragen uns, wie wir am besten mit der dramatischen Erfahrung der anderen umgehen sollen.

Stehen Sie Trauernden bei. Weichen Sie dem Leid anderer nicht aus, wenn Sie damit konfrontiert werden. Flüchten Sie nicht vor Menschen, die vom Tod eines Angehörigen betroffen sind. Wenn die Beerdigung vorbei ist, erwartet die Umwelt, dass der Trauernde wieder funktioniert. Ist das nicht so, erleben Hinterbliebene neben ihrem Verlust dann oft auch noch soziale Isolation. Und wir sagen hilflose Floskeln, wie: „Kopf hoch, es wird schon wieder werden“ „Wir sind ja noch da“ „Fahr doch erst mal in Urlaub“ „Ich weiß, wie Sie sich fühlen“. Ehrliche Anteilnahme kann auch bedeuten, dass man unter Umständen kaum Formulierungen findet: „Es fällt mir so schwer, passende Wörter zu finden“. Davor sollte man keine Scheu haben.

Eine Todesanzeige wird verfasst und zugestellt. In ihr ist entweder der engste Familienkreis aufgeführt oder auch der weiteste. Üblich ist es zudem, dass einer im Namen aller die Anzeige unterschreibt. Diese Vorgehensweise sollte unbedingt vorher abgesprochen werden, damit es keine Kränkungen gibt.

Zu beachten ist, dass vor den Namen des/der Verstorbenen nicht der Zusatz „Frau“ oder „Herr“ gesetzt wird.

Auch bei den Trauerformulierungen hat sich eine klare Sprache durchgesetzt: „Das Zeitliche gesegnet“, „von hinnen geschieden“ und „unsere liebe Heimgegangene“ sind unüblich geworden. Die Formel „in memoriam“ – „zum Andenken an“ gehört nur in die Jahres-Gedenk-Anzeige, die in katholischen Regionen üblich ist. Informieren Sie sich vorab, ob religiöse (interkulturelle) Glaubensaussagen angebracht sind.

Je nach Vertrautheitsgrad möchten Sie ganz spontan zum Hörer greifen und Ihr Beileid ausdrücken? Lieber nicht – ein gut gemeintes Telefonat wird oft als Belastung empfunden.

Auch Kondolenzbesuche sind nicht immer erwünscht. Vorherige Anmeldung gehört zum guten Ton. (Kondolenz: fran.: condoléances, lat.: cum dolere = Schmerzen empfinden.)

Antworten Sie prompt. Schreiben Sie umgehend einen persönlichen Brief, und zwar auf schlichtem weißem Papier oder eine Kuvert-Karte ohne Trauer-Vordruck – handschriftlich mit Füllfederhalter und schwarzer Tinte, falls jemand Ihre Schrift entziffern kann. Der schwarze Rand am Briefpapier wird nur vom Trauerhaus bei Todesanzeige und Danksagung verwendet. Das war im 18. Jahrhundert noch anders: Man benutzte zur schriftlichen Anteilnahme in den gehobenen Ständen schwarz umrandete Trauerbögen. Seit 1900 gibt es ein breites Angebot an Motivkarten (trauersprueche.org). Beileidsbekundungen werden sehr genau gelesen, darum unterschätzen Sie den Wert Ihres Briefs nicht.
Formulieren Sie ohne schmalziges Pathos was Sie mit dem Verstorbenen verbunden hat, erzählen Sie von gemeinsamen Erlebnissen und warum Sie ihn sehr geschätzt haben. Vermeiden Sie die abgegriffene Formulierung „Herzliches Beileid“. Kondolenzschreiben sind nicht dafür da, aus einem eventuell schlechten Gewissen heraus, großartige Versprechungen zu machen!

Versehen Sie Ihre Beileidspost mit einer ausgesuchten Briefmarke, benutzen Sie im Unternehmen keine Stempel- oder Frankiermaschine. Adressieren Sie den Brief nicht „An das Trauerhaus“ – schreiben Sie an „Familie ...“ oder an „Frau/Herrn ...“.

Stirbt ein Firmenangehöriger, schaltet die Personalabteilung eine Todesanzeige. In ihr müssen unbedingt persönliche Eigenschaften des Verstorbenen in ausreichendem Maß gewürdigt werden – die Wertschätzung durch das Unternehmen muss sichtbar sein. Der direkte Vorgesetzte und der Personalchef schreiben einen Beileidsbrief an die Hinterbliebenen. Dies ist keine Arbeit für Azubis!

Trauer 2.0. Manchmal muss man auch bei diesem Thema feststellen: die elektronischen Medien haben unser Kommunikationsverhalten rapide verändert. Hieß es bisher: Kondolenz ist per E-Mail, Fax und SMS absolut stillos, es sei denn, die Trauernden wohnen in weit entfernten Ländern, so geraten wir heutzutage in Situationen, die schnelles Handeln erfordern oder ganz neue Sichtweisen aufkommen lassen. Die Geschäftspartnerin sagt den Termin wegen Todesfalls in der Familie kurzfristig ab, jemand postet einen Nachruf auf Facebook oder richtet auf einem virtuellen Friedhof eine Seite für den Verstorbenen ein. (www.internetfriedhof.de). Kommunizieren wir auch bei Tod und Trauer auf unserem „Alltagskanal“? Ist das Medium dann nur Mittel zum Zweck? Unsere Umgangsformen gleichen sich an. Vielen geht das zu schnell.

Verhalten auf einer Beerdigung. Die nächste Herausforderung für die meisten ist die Beerdigung. Am liebsten würden sie sich drücken, aber das wäre für die Hinterbliebenen ein schmerzliches Zeichen mangelnder Treue und Wertschätzung. Wer die Beerdigung als das letzte Fest, das man mit dem Verstorbenen feiert, betrachtet, wird die Wünsche der Angehörigen dazu respektieren: Ein Kondolenzbuch liegt aus, bitte keine Trauerkleidung, bitte keine Beileidsbezeugungen am Grab, anstelle von Kränzen und Blumen wird um eine Spende an eine (karitative) Einrichtung gebeten ...

Beauftragen Sie in Ihrem Unternehmen einen dem Toten nahestehenden Mitarbeiter und stellen Sie es Kolleg(innen) frei, an der Beisetzung teilzunehmen.

Wenn die Gelegenheit geboten wird, vor der Abschiedsfeier dem im offenen Sarg aufgebahrten Toten einen letzten Gruß zu senden, erweisen Sie mit einer Verbeugung ihre dankbare Reverenz. Das ist auch eine passende Geste vor dem geschlossenen Sarg in der Trauerhalle.

Wer nur den/die Verstorbene/n kannte, nicht jedoch die Verwandten, muss sich nach der Beisetzung nicht zwangsläufig in die Reihe zum persönlichen Händeschütteln einreihen. Der Augenblick schafft die Regel – manchmal muss/darf man flexibel reagieren. Man darf auch darauf verzichten, eine Schaufel Sand auf den Sarg zu werfen, wie es in der Gegend Sitte ist. Stattdessen verabschiedet man sich am offenen Grab mit einem kleinen Handstrauß aus wenigen Blumen.

Welche Kleidung ist bei einer Beisetzung angemessen? Die Hinterbliebenen tragen üblicherweise Schwarz. Gedeckte, angemessene Kleidung ohne schmückendes, buntes Beiwerk ist empfehlenswert für die übrigen Trauergäste; es sei denn, der ausdrückliche Wunsch des/der Verstorbenen wäre es gewesen, eine entspannte Stimmung zu schaffen. Manchmal werden Trauerschleifen angesteckt, um zu zeigen, in welcher Lage man ist. Frauen dürfen, anders als Männer, in der Kirche ihren Hut aufbehalten. Auch eine dunkel getönte Brille ist hier kein Fauxpas. Vergessen Sie nicht Ihr Handy auszuschalten!
Kondolenzgeschenke. Eine tröstliche Geste können Sachgeschenke sein wie Bücher, Blumen oder Kerzen. Über unaufdringliche Unterstützung bei den anfallenden Vorbereitungen rund um die Beerdigung und danach sind auch viele froh. Im Kollegenkreis kann zum Beispiel eine Unterschriftenkarte oder ein Leporello mit noch nicht bekannten Fotos von Firmenfesten etc. angefertigt werden.

In manchen Gegenden Deutschlands ist es Brauch, seinem Kondolenzschreiben Geld beizulegen – sei es für den Blumenschmuck oder als Beitrag für die anstehenden Kosten. Die Höhe des Betrags richtet sich nach Ihrer finanziellen Situation.

„Trauer ist Schwerstarbeit“, sagt Sigmund Freud. Susanne Helbach-Grosser (2017)

Der TIP am Ende des Jahres

Weihnachten naht unweigerlich, sobald sich der städtische Antikorruptionsbeauftragte mit einer kleinen Pressenotiz in der Tageszeitung zu Wort meldet. Dann wurde er, wie jedes Jahr Anfang Dezember von unsicheren Firmen und Einzelpersonen kontaktiert. Die alljährlich wiederkehrende Frage lautet: Darf ich als zufriedener Kunde dem Stadtbeschäftigten mit einem Geldgeschenk meinen Dank für seine zuverlässige Arbeit ausdrücken? Und vor allem, in welcher Höhe? Denn ich will ihn ja nicht in die Bredouille bringen.

Wer nun denkt, dazu müsse es doch einheitliche Richtlinien geben, irrt. Das Antikorruptionsreferat in Hamburg lässt etwas anderes verlauten als das in Stuttgart. Die Entsorgungsgesellschaft in Frankfurt gibt Tipps zum Weihnachts-Tip. München auch. Nur eben abweichende.

Selbstverständlich ist Weihnachtstrinkgeld eine freiwillige Gabe.
Wie schön ist es jedoch, die erbrachte Leistung zu wertschätzen. Und rechnen nicht insgeheim diejenigen damit, die für uns das Jahr über da waren?

Als richtungsweisend kann festgehalten werden: der Gesetzgeber macht einen Unterschied zwischen dem öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft. Das „Erkenntlich-Zeigen“ im öffentlichen Dienst sei eigentlich nicht nötig, meint er. In vielen Gemeinden ist Bargeld für die Stadtreinigung darum tabu (zum Beispiel Bayern). Andere Kommunen tolerieren fünf Euro pro Person oder bis zu 15 Euro in die „Gemeinschaftskasse“. Diesen Wert kann man in vielen Städten auch auf Kranken- und Altenpflegepersonal sowie für Mitarbeiter auf Friedhöfen anwenden.

Städtische Angestellte und Amtsträger dürfen sich nicht dem Vorwurf der Bestechlichkeit aussetzen, darum sollte man sich bei einem Weihnachtstrinkgeld oder Geschenken über 15 Euro (zum Beispiel in Baden-Württemberg) beim jeweiligen Vorgesetzten rückversichern. Klarer geht’s bei den großen Arbeitgebern zu: Deutsche Bahn und Deutsche Post erlauben einheitlich 25 Euro. Für den Zeitungsausträger sowie für den städtischen Briefzusteller scheinen 10 Euro angemessen zu sein.

Erkenntlich zeigen kann man sich ferner:

  • in seiner Arzt- oder Physiotherapiepraxis: Gut ist ein Beitrag in die Kaffeekasse oder 10-15 Euro mit einem persönlichen Weihnachtsgruß. Schokolade oder Weihnachtsgebäck ist nicht immer eine gute Idee, denn das kommt um die Jahreszeit von allen Patienten wirklich in Massen!
  • beim Friseur: 10-15 Euro mit einer netten Weihnachtskarte
  • beim Hausmeister (10 bis 25 Euro)
  • bei der Haushaltshilfe/wöchentlichen Reinigungskraft (ca. ein Wochenlohn)
  • beim Babysitter, der Klavierlehrerin und allen anderen, die das Jahr über für uns da sind.

Eine Gratifikation mit Weihnachtskarte im Umschlag ist nicht jedermanns Sache. Danke kann auch mit „Sachwerten“ gesagt werden. Ich persönlich bin ein Fan von Lotterie-Jahreslosen. Der Preis ist meistens im Rahmen des Erlaubten – auch wenn ein Gewinn winkt. Bei anderen Geschenken ist nicht nur die Auswahl eine ordentliche Herausforderung – auch haftet dann beim Überreichen kein Preisschildchen mehr daran. Wer will das also kontrollieren?

Klare Richtlinien schaffte das Münchner Bildungs-Referat, auch zuständig für Kindergärten: Die Kindergarten-Eltern einer städtischen Einrichtung dort dürfen das Erzieherinnen-Team nur dann zum Weihnachts-Essen ausführen, wenn die Einladung bei unter 15 Euro pro Person liegt. Das würde nicht gegen die Antikorruptionsbestimmungen verstoßen. Na, Mahlzeit – die passende Kneipe zu finden ist ja mal ein Ansporn! Finden Sie ein un-heikles Dankeschön. Susanne Helbach-Grosser (2014)

 

Ich mag sie, falls sie gut erzogen sind.

Ich mag sie im weitläufigen Biergarten, im Straßencafé, im Büro. Ich mag sie hin und wieder in meiner Wohnung und wenn ich zu Besuch bin. Ich akzeptiere sie unter Umständen sogar im Restaurant.

Nein, es geht nicht um Kinder!

Die Hunde meiner Freunde kann man gut um sich haben. Sie benehmen sich. Sie springen nicht an meiner weißen Hose hoch, sie legen mir den Kopf aufs Knie, ohne zu sabbern, sie schütteln nur ganz selten ihr langes, nasses Zottelfell, wenn ich danebenstehe. Meine Hundebesitzer-Freunde haben alle Aggressions-lose Vierbeiner, die nicht den „Dicken“ machen müssen, wenn sie mich zu Hause besuchen. Streicheleinheit abholen, nicht betteln, hinlegen, dösen. Punkt.

„Kollegin Hund“

Einer meiner Kunden nimmt seine Hündin mit ins Büro. Er darf das. Er ist der Boss. Trotzdem war es ihm wichtig, abzuklären, ob keine/r seiner Mitarbeiter(innen) allergisch auf Hundehaare reagiert, eine Hundephobie hat oder ein Tier am Arbeitsplatz einfach als unhygienisch empfindet. Herrchen veranstaltete einen tierischen Schnuppertag – und siehe da: Test bestanden. Zum Glück sehen in diesem Fall alle mitarbeitenden Menschen die „Kollegin Hund“ als eine Bereicherung im Betrieb. Man kennt das aus Experimenten in Schulklassen: sowohl das Wohlbefinden als auch der kollegiale Zusammenhalt werden durch die Anwesenheit eines Vierbeiners gestärkt. Und ein Gesprächsthema gibt es allemal. Man „balgt“ sich mittlerweile sogar darum, wer die Hündin betreuen darf, wenn Herrchen zu einem externen Termin außer Haus ist.

Die Rechtslage

Ein Anspruch auf die Mitnahme eines Vierbeiners besteht allerdings nur, wenn es sich etwa um einen begleitenden Blindenhund handelt. Auch dürfen Mitarbeiter nicht einfach ihren kranken, pflegebedürftigen Hund mit zur Arbeit nehmen. So wie es auch kein Anrecht auf Sonderurlaub bei Erkrankung von Haustieren gibt. Und für Schäden, die das Haustier anrichtet, muss natürlich der Besitzer aufzukommen.

„Restaurant-Hunde“ können ein Gräuel sein.

Da mag einer seinen vierbeinigen Freund noch so gut im Griff haben – der Hund kommt „ausgepowert“ ins Lokal, das Abliegen klappt, die Leine ist mit dem Fuß gesichert. Sieht alles ganz entspannt aus. Der Hund riskiert ein Auge, als mein Essen serviert wird. Sehnsüchtig seufzend döst er weiter. Mein Gericht duftet nach mediterranen Kräutern und gutem Olivenöl. Oder doch nicht? Der strenge Geruch von Ochsenziemer (oder ist es Rinderkopfhaut?) steigt vom Nachbartisch auf. Der Hund hat nun einen Kau-Snack bekommen – einen DAUER-KAU-SPASS! Übrigens: Ochsenziemer werden aus der Haut von Bullenpenissen hergestellt und reinigen hervorragend das Hundegebiss!

Mir wird schlecht!

Meine Hunde-Freunde geben als Guddi manchmal Rinderohren. Aber niemals in der Öffentlichkeit, weil diese so schrecklich knacken.

Liebe Vierbeiner-Besitzer, für die meisten anderen Restaurantbesucher ist der Spaß zu Ende, sobald abgeschüttelte Hundehaare auf Nachbarstellern landen, der Hund den Kopf auf den Tisch legt oder sich zwei durch den ganzen Raum bekläffen.

Wenn ich das goldige Abendtäschchen-große Etwas auf Frauchens Schoß Fressi vom Teller bekommen sehe, frage ich mich, warum es nicht auch einen „Knigge“ für Viecher gibt. Oder für Menschen mit Viechern.

Ja, ich kann Hunde leiden. Aber Katzen vergöttere ich. Susanne Helbach-Grosser (2016)

Gruß-Verabredungen bei militärischen Rängen

Die starren Grußregeln von früher sind heutzutage dem situativen Kontext gewichen.

Doch Vorsicht: Bei etlichen Gelegenheiten tritt das alte Rangordnungsschema wieder in Kraft. Generell ist die förmliche Anrede ein wichtiges Mittel, Menschen Respekt zu erweisen. Über die Sprache wird der soziale Kontakt hergestellt. Eine angemessene Anrede gibt auch Aufschluss über den Anredenden. Er und sie zeigt so, dass gesellschaftliche Normen beherrscht und respektiert werden.

Die elementare Grammatik der Begegnung will gelernt sein.

Im Tagesgeschäft fallen den meisten Menschen die unterschiedlichen Anredeformen nicht schwer. Sobald jedoch militärische Ränge ins Spiel kommen, sind viele verunsichert. Wie erkenne ich den Dienstgrad der zu begrüßenden Person? Muss ich ihn überhaupt nennen? Oder sind militärische Namenszusätze für Zivilisten weitgehend nebensächlich? Und wie spreche ich weibliche Personen in Heer, Marine und Luftwaffe an?

Im Arbeitsleben ist es heutzutage ein Fauxpas, eine Amtsbezeichnung nicht in der femininen Form zu benutzen („Frau Bundeskanzlerin“, „Frau Ministerin“, „Frau Bürgermeisterin“ usw.). Anders beim Militär. Hier bleiben die Dienstgrade männlich („Frau Hauptmann“, „Frau Admiral“, „Frau Oberst“ usw.). Auch die medizinische Mannschaft wird – wie hier zum Beispiel im Generalsrang – stets mit „Herr/Frau Generalarzt“, „Herr/Frau Admiralarzt“ angesprochen.

Innerhalb und außerhalb der Bundeswehr wird der Anrede für Soldaten ein „Herr“ beziehungsweise „Frau“ vorangestellt, mit oder ohne Nennung des Dienstgrades. Generell kann der Familienname zugefügt werden, muss aber nicht.

Eine Ausnahme gibt es für weibliche, zivile Angestellte der Bundeswehr. Hier richtet sich die Anrede nach den gesellschaftlichen Gepflogenheiten (z. B. Militärbischöfin).

Die (nicht sehr populäre) Unterscheidung der Dienstgrade zwischen Frau und Mann in der Bundeswehr ist lediglich bei Beschriftungen von Unterkünften in Form eines angehängten „(w)“ vorgesehen.

Bald eine „Generälin“?

Mit einem neuen Mentorenprogramm will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei der Bundeswehr mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Dazu sagte die CDU-Politikerin: "Wenn ich nie eine Frau Generälin sehe, kann ich mir eben schlecht vorstellen, welche junge Frau in diese Position hineinwachsen wird." Also scheint sich nun doch etwas in Bezug auf die weibliche Anrede-Form zu tun. Übrigens leisteten 2016 19.775 Frauen ihren Dienst als Soldatinnen in der Bundeswehr.

Dienstgrade ordnen die Soldaten in die Rangordnung der Bundeswehr ein. Dies geschieht auf Grundlage des Soldatengesetzes durch den Bundespräsidenten. Es gibt 24 Dienstgrade und 85 Dienstgradbezeichnungen. Die Dienstgrade erstrecken sich von Generale bis Mannschaften.

Kaum eine Zivilperson vermag anhand der Schulterstücke und anderer Abzeichen bei Heer, Luftwaffe und Marine die richtige Anrede finden. (Dienstgradschlaufen auf der Schulter mit Sternen oder Streifen und Kranz aus Eichenlaub in gold = ganz hohes Tier!)
https://www.simsso.de/?type=bundeswehr/dienstgrade/lernen

Wird man jedoch mit einer Person bekannt gemacht, die sich noch nicht im Ruhestand befindet („Dies ist Major Maier“), kann die Anrede mit Dienstgrad angewandt werden. Wobei ein „Guten Tag, Herr Maier“ als korrekt angesehen wird – basiert doch das Grundgesetz der BRD auf Gleichheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Und seit etlichen Jahrzehnten wissen wir ja: „Der Soldat ist ein Bürger in Uniform.“ Susanne Helbach-Grosser (2017)

„Auf der Piste“

Laut Skilexikon.info trifft der Ausdruck Pistensau auf männliche Skifahrer zu (selten auf weibliche), die sich bedingt durch eine Charakterschwäche rücksichtslos, schnell und oft mit ungenügender Technik auf den Pisten bewegen. Terror of the slopes hört sich auch nicht besser an – bezeichnet darüber hinaus aber auch jemanden, der sich überall dort auf den "Pisten" herumtreibt, wo etwas los ist.

Begleiten wir gemeinsam unseren Pistenschreck durch seinen Tag im Wintersportgebiet und der könnte fiktiv so aussehen:

  • Spontane Individual-Anreise mit dem Pkw. Öffentlicher Nahverkehr ist für Spießer. Mann muss ja auch gerüstet sein, falls ein Haserl abgeschleppt werden will.
  • Aufregung am 2er Sessellift. Wer will schon auf der Fahrt nach oben von einer fremden Person voll gequatscht werden? Es wird doch wohl erlaubt sein, den 2. Platz „freizuhalten“.
  • Erst mal auf der Bergstation eine ordentliche Grundlage schaffen!
  • Skigymnastik? Einfahren? Was für Weicheier. Letztes Jahr klappte die Königsdisziplin schwarze Piste noch auf Anhieb. Runter geht’s doch immer!
  • Dritter Durchgang. Irgendwie langweilig – immer auf und ab. Dafür coole Stimmung an der Eisbar. Starke Musik, super Drinks.

Ganz schön voll!

Volle Pisten – volle Skifahrer. Rechtslage: Die 10 Alpenlandregeln des internationalen Skiverband FIS sollten allen Sportlern geläufig sein. Sie gelten weltweit. Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren und seine Geschwindigkeit und Fahrweise dem Können, dem Gelände und den aktuellen Wetterverhältnissen anpassen. In den FIS-Regeln ist keine Promillegrenze enthalten. Im Falle einer Körperverletzung wird das Skifahren in alkoholisiertem Zustand jedoch als grobe Fahrlässigkeit gewertet.

Viele Weißbiere – viele menschliche Bedürfnisse. Am Pistenrand lassen sich zu jeder Zeit urkomische gelbe Figuren in den Schnee zeichnen.

Über unpräparierte Pulverhänge zu wedeln hat was. Oder doch besser gleich ab in den Wald? Schongebiete? Nie gehört. Abseits der markierten Wege werden doch viele Schneesportarten erst richtig sportiv. Rotwild und Schneehase bleiben sowieso brav im für sie vorgesehenen Gebiet.

Das Filmen per Helmkamera weitet sich zur Plage aus. Immer mehr (flüchtende) Pistenrowdys können zudem so überführt werden. Wo bleibt denn da das Recht am eigenen Bild? Rechtslage: Andere Skifahrer dürfen nur gefilmt werden, wenn sie das gestattet haben. Will jemand die Kamera-Aufzeichnung anschließend im Internet oder auf anderen Portalen veröffentlichen, müssen die aufgezeichneten Personen in jedem Fall einwilligen.

Kein Müll am Berg!

Abfall am Berg? Fällt halt an, sobald man Proviant dabeihat. Wenn Frau Holle ordentlich die Betten schüttelt, lässt frisch gefallener Schnee den entsorgten Müll rasch verschwinden. Rechtslage: Die unsachgemäße Beseitigung von Müll, (auch Obst- und Lebensmittelreste) ist in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz strafbar. Bergwelten.com weiß: Kommerzielle Zigarettenfilter zersetzen sich erst nach 10 bis 15 Jahren. In einem einzigen Zigarettenstummel sind bis zu 4.000 schädliche Stoffe zu finden. Eine einzige Kippe kann zwischen 40 bis 60 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen. Den eigenen „(T)aschenbecher“ sollte jeder Raucher (w/m) dabeihaben.

Hemmungslos durch die Nacht

Dämmerung heißt Flutlichtfahren. Unser Pisten-Flitzer ist immer mehr in seinem Element. Jetzt kann er – gut ausgeleuchtet – nochmals zeigen, was er draufhat. Von hinten an andere ranbuckeln, erst kurz vorm Rammen abbremsen, um mit einem eleganten Schwung zu überholen. In seliger Vorfreude auf das, was später in der Nacht noch kommen wird, intoniert er den „Anton aus Tirol“.

Die Après-Ski-Partys bei der Talstation sind legendär – und so endet die Pistengaudi im Heustadl. Ungetrübte eigene Freude beim Wintersport! (Rechtslage-Tipps von ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG) Susanne Helbach-Grosser (Januar 2017)

„Wieder mal Freitag der 13.“

Das enge Verhältnis zu speziellen Zahlen hält sich bei uns Deutschen ja in Grenzen.

Außer zur 13. Die ist arm dran! Sie soll angeblich Unglück bringen und wird daher manchmal noch gemieden. Ob die 13. Sitzreihe im Flugzeug, der 13. Gast beim Dinner, das 13. Stockwerk in einem Hochhaus oder die 13 als Hausnummer: Nichts als Unheil verbindet man mit dieser Zahl. Freitag, der 13. ist für einige ein riskanter Tag, der jedoch im Geschäftsleben meistens mit einem Augenzwinkern abgetan wird.

Versicherungen kommen bei ihren Auswertungen zu dem Ergebnis, dass es an diesen vermeintlichen Unglückstagen sogar rund zehn Prozent weniger Schäden gibt als gewöhnlich. Vielleicht sind abergläubische Menschen dann aus Angst, dass ihnen etwas zustoßen könnte, besonders vorsichtig.

Dass Freitag der 13. bei vielen als Unglückstag gilt, hat auch christliche Wurzeln. Jesus starb bekanntlich an einem Freitag, vom dreizehnten Jünger wurde er nach dem letzten Abendmahl verraten (oder auch nicht …). In Volksmärchen (Dornröschen) ist die Zahl 13 auch oft negativ belegt. Sie galt im Gegensatz zur Zwölf als eine „unvollkommene“ Zahl, meinen Volkskundler.

Wie viele andere Nationen bewahren Deutsche aber doch liebgewonnene Geschichten, Symbole und Zahlen. Denken wir nur an die 3: Die heiligen 3 Könige, 3 Geschenke, 3 Altersstufen, 3 Reittiere und 3 Kontinente. Im germanischen/mittelalterlichen Rechtswesen wurde dreimal im Jahr Gericht gehalten. Und mit 3 Fingern wird auf die Verfassung geschworen.

Besonders wichtig ist die Bedeutung von Zahlen in China

Im chinesischen Alltag spielt die Zahlensymbolik eine große Rolle. Meist geht es dabei darum, dass die Zahl ähnlich wie ein anderes – positiv oder negativ konnotiertes – Wort klingt. Unter Chinesen sind zudem gerade Zahlen wesentlich beliebter als ungerade, denn ungerade Zahlen stehen in China für Einsamkeit („Gute Dinge kommen immer zu zweit“).

Hier einige Beispiele für positive Kombinationen:

Die 8 (八 bā), geht immer. Sie ist die absolute Glückszahl und klingt wie Reichtum. 28 drückt aus, dass Reichtum und Glück kommen werden, 5 in Kombi mit 1 + 8 bedeutet schon wieder Reichtum und bei 168 wird man sowieso zahlungsfähig und erfolgreich, da die 6 ähnlich wie fließen klingt.

Die 8 ist logischerweise heißbegehrt und umkämpft: Hausnummern, Zimmer- und Telefonnummern werden bevorzugt nachgefragt, bei Versteigerungen von Autonummern werden für Zahlen mit 8 sehr große Summen hingeblättert.

Chinesen lieben zudem Wortspiele. So kann aus einer Telefonnummer ein ganzer Satz entstehen. Zum Beispiel die 1368999: Glück das ganze Leben lang, genug von allem und für immer. Jugendliche senden sich Kurznachrichten mit Liebesbotschaften, am populärsten ist natürlich die 520 = Ich liebe Dich.

Obwohl eine gerade Zahl, ist die Angst vor der Zahl 4 in China weit verbreitet. Denn sie klingt ähnlich wie das Wort für sterben. Das geht soweit, dass Chinesen ungern in ein Auto mit dem Vierer-Kennzeichen einsteigen – schließlich steht da so viel wie stirb auf dem Wagen. Auch Geschenke in 4er-Sets sind höchst ungeeignet, und der Reisende darf sich nicht über den fehlenden 4. Stock sowie die nicht vorhandenen Zimmernummern 4 + 44 im Hotel wundern.

Wie gut, dass wir Deutsche unser 4-blättriges Kleeblatt haben. Mit viel Glück findet man eins. Es bewahrt zuverlässig vor allem Bösen! Susanne Helbach-Grosser (Oktober 2017)

Ja, wie närrisch sind denn Sie?

Nun hat sie uns wieder fest im Griff – die fünfte Jahreszeit.

Meine Lübecker Freunde können nur mitleidig gucken, wenn sie von unseren süddeutschen diesbezüglichen Aktivitäten hören: „Hat sich nicht Fasching schon ein bisschen überlebt? Die jungen Leute können doch heutzutage immer Party machen. Ja, früher … das konnte man ja verstehen, wenn dann alle einmal jährlich ausbrachen … Wie sich die Leute in dieser Ausnahmezeit benehmen! Mit peinlichen Kostümen, abstoßender Musik, Männerballett ... Und mit konservativen Besoffenen können wir nun mal nichts anfangen!“

Wenn das Karneval-Gen fehlt, dann beginnt das Grauen schon erbarmungslos mit der Radiowecker-Tätärä-Musik. Angeblich fliegen ganze Flugzeugladungen von Hamburg und Berlin an den Rhein, um zu schunkeln. Nicht jeder kann für die tollen Tagen die Gegenrichtung nehmen. Oder im Büro ein Pappnasenverbot aussprechen.
Jetzt stellen Sie sich vor, als echter Faschings-, Karnevals- oder Fasnets-Muffel oder leidenschaftlicher Anhänger sollen Sie wichtigen Geschäftsbesuch betreuen. Es gibt nämlich immer ein paar „arme Schweine“, die ausgerechnet zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch Gäste aus Übersee treffen müssen.

Takt- und Stilregeln gibt es nicht nur in den Hochburgen Mainz, Köln oder Düsseldorf zu beachten.
Am Donnerstag vor Rosenmontag (Weiberfastnacht) ist es Brauch, dass Frauen den Männern die Krawatten abschneiden. Wer sich’s gefallen lässt, wird mit einem Schmatz belohnt. Viele alte Krawatten im Handgepäck = viele Bützje! Wer einen Horror davor hat läuft den ganzen Tag mit einer selbst abgeschnittenen Krawatte herum oder mit einer Fliege, dem absoluten Spaßkiller! Und gänzlich unmöglich ist sauertöpfisches Gebrumme beim Anblick einer Schere: „Komm mir bloß nicht zu nah!“

In Düsseldorf wird „Alt“ verkauft und „Helau“ gerufen. In Köln rinnt nur „Kölsch“ die Kehle runter bevor „Alaaf“ gerufen wird. Niemals verwechseln!
In den Städten ist es laut, auch tief in der Nacht. Darum sollten Ihre Gäste besser auf Hotels im Umland ausweichen, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, denn niemand kann sich an diesen tollen Tagen auf (bestellte) Taxis verlassen.

Wer seine (ausländischen) Gäste in den Genuss der Straßenumzüge bringen will, sollte sich 1-2 Stunden vorher am Straßenrand einfinden, um gute Sicht auf den Gaudiwurm zu haben. Keine Angst – niemand verdurstet dabei! Mitschunkeln ist besser gegen die Kälte als (zu viel) Schnaps. Ausländische Kunden freuen sich über ein neckisches Hütchen, einen Neckrüssel oder einige Rollen unverfänglicher Luftschlangen. Raten Sie jedoch davon ab, am nächsten Tag damit „kostümiert“ ins Meeting zu kommen.

Prunk- und Galasitzungen haben meist eine Kleiderordnung (von kostümiert bis Smoking), die ernsthaft beachtet werden sollte, dann kann es ganz lustig werden. In diesem Jahr sind als „Häs“ Barrak Obama und Horst Schlämmer angesagt. Info für die fremden Gäste: Nur mit schriller Kostümierung lassen sich die bösen Geister vertreiben. Jeder hat jedoch seine eigene „Schmerzgrenze“, was Humor und Peinlichkeit betrifft. Ihre eigene Kostümierung sollte deshalb die Geschmacks- und Toleranzgrenze Ihres Gastes nicht überschreiten.

Und: Lassen Sie ihn niemals allein! Geben Sie ihm das Gefühl, er sei mittendrin, statt fünftes Rad am Wagen.
In einem „Karnevals-Knigge“ las ich den treffenden Satz: „Karneval ist keine intellektuelle Leistung, sondern kommt aus dem Bauch - und darauf muss man sich einlassen!“ Mit einem Helau und einem Alaaf, Susanne Helbach-Grosser (Februar 2010)

Feinfühligkeit erhält die Freundschaft

Schon so manche Freundschaft ist zerbrochen oder Geschäftsbeziehung versandet, weil es an der nötigen Feinfühligkeit fehlte. Wer erfolgreich ist und mehr Geld verdient als der andere, sollte besonders vorsichtig sein, um keinen Neid zu erregen und den Selbstwert anderer nicht zu untergraben. Bescheidenheit ist noch immer eine Zier und vor allem guter Stil.

Wer besser verdient, sollte generell Rücksicht auf seine Freunde und Freundinnen nehmen, die nicht im gleichen Maße mit materiellen Gütern gesegnet sind. Ich würde sie hin und wieder einladen, und das dann auch vorab als Einladung deklarieren. Es darf jedoch kein Abhängigkeitsgefühl aufkommen und schon gar nicht etwas Gönnerhaftes. Im Restaurant muss man als besser gestellter Partner nicht unbedingt die teuersten Gerichte bestellen, wenn man weiß, dass sich die anderen das nicht leisten können.

Natürlich kann es Situationen geben, in denen es verzwickt wird. Zum Beispiel beim Vorschlag für eine gemeinsame Urlaubsreise. Feinfühlige ohne finanzielle Beschränkungen werden dann nicht großartig fragen: "Kommt Ihr über Pfingsten mit nach Kalifornien?“ Oder: „Wir chartern eine Segeljacht im Mittelmeer, macht Ihr mit?“ Das bringt die anderen, die sich das nicht leisten können, in die Verlegenheit, bei der Ablehnung entweder zu lügen oder die Wahrheit zu sagen. Das hebt nicht unbedingt ihr Selbstwertgefühl, das gute Freunde eigentlich stärken sollten.

Ein gewisses Selbstbewusstsein ist auf beiden Seiten gefragt: Der, der sich nicht so viel gönnen kann, weiß, wo seine Grenzen sind und formuliert das auch hin und wieder - der andere protzt nicht mit seinen Möglichkeiten, leistet sich jedoch seine Fernreise und teilt die Erfahrungen anschließend mit den Freunden.

Ähnlich ist es mit Geschenken, die ja normalerweise ein Beziehungsangebot und oft genug gegenseitiger Austausch sind. Etwa zu Geburtstagen. Da sollte man sich genau überlegen, ob ein über Gebühr wertvolles Geschenk angebracht ist. Die anderen, die nicht so viel Geld ausgeben können, fühlen sich dann verpflichtet, mit „gleicher Münze“ zurückzuzahlen. Das löst allerdings Unmut aus und kann die Freundschaft erheblich beeinträchtigen.

Auch bei Geschäftspartnern ist auf Ausgewogenheit im Spendieren zu achten. Das Gesetz des Gleichgewichts wird verletzt, wenn im Business einer mehr gibt als der andere. Es bleibt ein schlechtes Gewissen zurück, die erfahrenen Wohltaten nicht erwidern zu können oder zu wollen. Das löst unterschwellige Aggression aus und kann den Geschäftserfolg torpedieren. Der Sensor der Feinfühligkeit ist in allen Lebenslagen ein unverzichtbares Instrument, um Beziehungen zu erhalten und festigen. Susanne Helbach-Grosser (2016)